Telefonnummer

Ausgewogene Ernährung des Diabetikers

Die Ernährungsempfehlungen für Diabetiker haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren dramatisch geändert. Früher wurde den „Zuckerpatienten“ empfohlen, den Anteil an Kohlenhydraten im Essen zu vermindern, d.h. weniger Kartoffeln, Reis, Nudeln, Obst Gemüse und Brot zu essen. Weil aber auch seinerzeit die Menschen satt werden mussten, wurde der Fettgehalt der Speisen erhöht. Hieraus resultieren die sogenannten „Diabetikerlebensmittel“, die Sie in jedem Supermarkt in großer Menge kaufen können. Diese sind meist fettreicher als vergleichbare Produkte für Nichtdiabetiker und regelmäßig deutlich teurer. Sie sollten in einer modernen Ernährungsempfehlung für Diabetiker nicht mehr enthalten sein!

Der gut eingestellte Zuckerpatient von heute sollte sich drei Mal am Tag sattessen! Frühstück und Mittagessen dürfen 70-90g Kohlenhydrate enthalten, d.h. 3-4 Scheiben Brot oder 2-3 Brötchen morgens (Achtung, Körnerbrot und Körnerbrötchen sind oft sehr fettreich!) und 5-6 mittelgroße Kartoffeln oder „einen Teller voll“ Reis oder Nudeln mittags, selbstverständlich angereichert mit Gemüse. Dazu dürfen pro Mahlzeit 20g Eiweiß kommen, was beispielsweise ca. 100g Schinken oder 700ml Milch entspräche. Weitere Eiweißträger sind Geflügel, Fisch, Fleisch und Hülsenfrüchte. Selbstverständlich darf in Maßen Fett im Essen enthalten sein, jedoch möglichst nicht mehr als 20g pro Mahlzeit. Die Hauptfettträger bei Frühstück und Abendessen sind Butter und Margarine. Eine „Hotelpackung“ Margarine enthält beispielsweise bereits 20g Fett. Das gilt auch für die gute „Diät-becel“! Der Begriff „Diät“ ist in Deutschland nicht geschützt und kann von jedem Hersteller verwendet werden. Lassen Sie sich auch nicht von Halbfettmargarinen beeindrucken, auch das sind Fettbomben! Schmierkäse und viele Wurstsorten schmecken auch ohne das „Klebemittel“ Butter oder Margarine; geht es gar nicht ohne, dann bitte „kratzen“! Der Hauptfettträger beim Mittagessen ist nicht, wie von vielen angenommen, das Fleisch, sondern Soßen, Öle, Dressings. Zwei Esslöffel entsprechen oft bereits 20g Fett. 100g naturgegartes Schweineschnitzel, was etwa einer Essensportion entspricht, enthält ungefähr 6g Fett. Panieren Sie dasselbe Stück, sind es bereits 20g!
Fettarme Zubereitungsverfahren sind Kochen, Dünsten, wobei im Saft gegart wird und Grillen. Zum Braten kann man statt Fett auch Mineralwasser benutzen, was aber regelmäßig nachgegossen werden muss.

Etwa 80% aller Diabetiker sind übergewichtig. Durch eine Gewichtsabnahme können viele Zuckerpatienten die Anzahl ihrer Medikamente deutlich verringern, oder sogar ganz ohne auskommen. Damit insbesondere nachts das körpereigene Dickmacherhormon Insulin möglichst niedrig ist (entgegen der landläufigen Meinung kann der Mensch am besten nachts Gewicht abnehmen!), sollte sich der Diabetiker auch beim Abendessen sattessen, jedoch mit weniger Kohlenhydraten und stattdessen mehr Eiweißen. Die Kohlenhydrate sind es nämlich, die die körpereigene Insulinausschüttung steigern. Es sollte also beim Abendessen nur eine Scheibe Brot gegessen werden, möglichst mit fettarmer Wurst (Geflügel o.ä.) und zusätzlich eine Portion (ca. 150g) Joghurt oder Quark.

In der Forschung stellt sich seit einigen Jahren die Frage, ob unsere Durchschnittsernährung alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe enthält. Die amerikanischen Ernährungsgesellschaften sind hier Vorreiter und empfehlen Ergänzungen. Vielen Diabetikern fehlen die Mineralstoffe Chrom und Magnesium; auch die Substitution von Omega-3-Fettsäuren, die natürlicherweise z.B. in Fisch enthalten sind, und Vitamin-E können sinnvoll sein, was Sie im Einzelfall mit Ihrem behandelnden Hausarzt besprechen sollten!